In der prachtvollen Kulisse des Kurtheaters Bad Kissingen – einem 1904 erbauten architektonischen Juwel im fränkischen Barockstil, welches mit seinen Silber verzierten Jugendstilwänden und den Stuckprofilen einen fast beeindruckenden Rahmen bietet – lud Ray Wilson zu einem fantastischen Konzertabend ein.
Der Abend begann atmosphärisch
mit "She Flies" und der Ankündigung, dass die erste Hälfte akustischer wird und der zweite Teil dann elektronischer (
wobei dies wohl nur auf die Gitarre bezogen ist und rockiger eigentlich
treffender gewesen wäre). Dem folgte David Bowies "Heroes" und der melancholische Pink-Floyd-Klassiker "Wish You Were Here" welchem Ray Wilsons markante Stimme eine ganz eigene, tiefe Seele
verlieh.
Im weiteren Verlauf der erste Hälfte des Sets
bot sich eine feine Mischung aus Genesis-Klassikern wie "Home By The Sea" und "Follow You Follow Me" sowie
packenden Solo-Stücken wie "Lemon Yellow Sun". Besonders hervor stach die Interpretation von
"Carpet Crawlers". Während das Original fast vollständig vom Piano getragen wird, präsentierte Wilson eine Version,
die im Anfang von der Intimität der Akustikgitarre lebte. Diese stammt, wie er zur Einleitung erzählte, noch aus seiner
Anfangszeit, in der er ohne Keybord auftrat. In der zweiten Hälfte des Songs übernahm dann das Keyboard als
Piano die Führung und
brachte die Performance wieder näher an das Genesis Orginal
Nach der Pause hielt
Ray Wilson sein Versprechen ein, dass das zweite Set
deutlich rockiger werden würde. Der Einstieg
mit "No Son of Mine" markierte diesen energetischen Wendepunkt. Es folgten Klassiker wie
"Land of Confusion" und der Stiltskin-Hit "Inside", die das Publikum spürbar mitrissen.
Ein Höhepunkt war zweifellos
"Congo". Man merkte Wilson deutlich an, wie viel ihm dieser Song – die erste Single seiner Zeit
bei Genesis – bedeutet. Er wurde förmlich zelebriert: Mit einem ausführlichen Intro und einer Begeisterung
vorgetragen, die noch einmal ein Stück mehr Energie freisetzte als im restlichen Programm.
Zum letzten Song des offiziellen Sets,
„Solsbury Hill“, konnte es dann keinen mehr auf den Plätzen halten und das ganze Theater feierten den
Song.
Zu Beginn der Zugabe betrat Ray Wilson alleine mit seiner Akustikgitarre die Bühne und präsentierte ein virtuoses Akustikgitarren-Medley, in dem er unter anderem Klassiker von Queen und Bruce Springsteen
verwob und welches in Bob Dylons "Knockin' on Heaven's Door" endete. Während diesem letzten Song betraten auch die restlichen
Musiker erneut die Bühne und stiegen in die Hymne
ein.
Fazit: Ray Wilson im Kurtheater war mehr als eine Werkschau seiner Karriere. Es war eine Hommage an die Musik an sich, verpackt in
ein edles Ambiente, das die raue, ehrliche Stimme Wilsons perfekt zur Geltung brachte.